Deep DiveNDA

Sachnummern — eine Kachel, fünf Ausbaustufen, gleicher Platz.

Die Sachnummern-Kachel zeigt dem Werker am Produktionsmonitor, welches Teil er verbaut. Über zwei Jahre kamen immer neue Varianten hinzu – die Fläche der Kachel blieb dieselbe. Die Herausforderung: jede neue Information unterbringen, ohne dass das Design bricht oder die Lesbarkeit aus der Distanz leidet.

ProduktionsmonitorPDAKonfig-Dialog
Kontext

Bestehende Komponente, wachsende Anforderungen.

Die Basisdarstellung der Sachnummern-Kachel stammte aus dem Bestand. Welche Sachnummern auf dem Monitor erscheinen, legt der Parametrierer im Konfigurationsdialog fest. Auf dem Handgerät (PDA) genügt eine vereinfachte Textdarstellung, im Konfigurationsdialog ist die Sachnummer nur ein Feld der Positionsvarianten – die gestalterische Herausforderung lag allein auf dem Monitor.

V1Sachnummer
V2+ Fach & Fachfarbe
V3+ wahlweiser Verbau
V4+ Farbcode
V5+ Überlänge
  1. V1

    Sachnummer

    Ausgangspunkt: nur die Nummer selbst.

  2. V2

    + Regalfach & Fachfarbe

    Fachnummer zur Sachnummer. Optionale Fachfarbe als Hintergrundfläche hinter der Fachnummer – eine farbige Schrift allein wäre aus der Distanz in der Halle nicht erkennbar.

  3. V3

    + Wahlweiser Verbau

    Bei Lieferantenwechsel liegen alte und neue Teile gleichzeitig am Band. Beide Sachnummern werden angezeigt, getrennt durch einen vertikalen Trenner. Der Werker verbraucht zuerst die alten Teile und wechselt dann – er sieht beides und kann selbst entscheiden.

  4. V4

    + Farbcode-Variante

    Zusätzlicher vierstelliger Farbcode je Sachnummer, dargestellt mit stark gerundeter Umrandung – bewusst klar unterscheidbar vom Trenner aus V3.

  5. V5

    + Überlänge

    Ausnahmefälle mit bis zu vier zusätzlichen Zeichen. Sie müssen in den vorgesehenen Platz passen, ohne das Kachelraster zu sprengen.

Anonymisierter Nachbau: Fächer im Original als Buchstaben, hier als Zahl. Nummern, Farbcodes, Fachfarbe und Schrift fiktiv bzw. ersetzt und verkleinert.

Design Challenge

Mehr Varianten, gleiche Fläche.

Die Kachel sitzt in einem festen Raster auf einem Hallenmonitor im laufenden Betrieb – kein Scrollen, Lesbarkeit aus 1–3 m. Mit jeder Ausbaustufe wuchs, was auf eine Kachel passen musste.

Challenge 1

Alle Varianten kombiniert

Fach, Fachfarbe, wahlweiser Verbau, Farbcode und Überlänge können gleichzeitig auf eine Sachnummer zutreffen.

Challenge 2

Jede Kombination in jeder Größe

Dieselben Kombinationen müssen in allen Kachelgrößen funktionieren – je kleiner die Kachel, desto größer das Platzproblem.

Challenge 3

Eindeutig unterscheidbar

Normale Nummer, Überlänge, Farbcode und wahlweiser Verbau brauchen je ein eigenes Gestaltungsmerkmal – auf einen Blick und aus der Distanz.

Das Platzproblem, sichtbar gemacht

Auszüge aus der UI: was passiert, wenn neue Merkmale ohne Anpassung in die bestehenden Kacheln laufen.

Kleine Kachel: Fach, Präfix, Nummer und Farbcode liegen übereinanderMittlere Kachel mit wahlweisem Verbau und Farbcode: zweite Nummer und Farbcode laufen rechts und unten aus der Kachel
Überlappung / ÜberlaufFachzahl, Präfix und Nummer schieben sich übereinander – oder laufen über. Die Inhalte passen nicht in den Frame.
Kachel mit Fach und Farbcode: Farbcode-Rahmen ohne Abstand zu Nummer und Kachelrand
Fehlendes SpacingDer Farbcode-Rahmen klebt an Nummer und Kachelrand und ragt unten heraus.
Kleinste Kachel mit Farbcode: kein Platz für zusätzliche Zeichen einer Überlänge
Überlänge nicht darstellbarIn der kleinsten Kachel ist kein Platz für die zusätzlichen Zeichen – die Überlänge kann nicht angezeigt werden.

Exploration: wahlweiser Verbau

Wie unterscheidet sich die zweite Nummer von der ersten – und von einem Farbcode?

Exploration AZweite Nummer darunter, leichter Schnitt
Exploration BZweite Nummer umrandet
Exploration CZweite Nummer invertiert
UmgesetztNebeneinander, vertikaler Trenner, Präfix gemeinsam

Alternatives Design · Feineres Grundraster

Statt 6×4 ein 12×6-Raster: eine Sachnummer, die im groben Raster 1×1 belegt, entspricht im feineren Raster 3×2. Überlauf lässt sich dann um eine einzelne Rastereinheit korrigieren, statt gleich die ganze Kachel zu verdoppeln – spart Platz, weil keine doppelte Größe nötig ist.

Einfache Sachnummer
5TN 312 4803812
2×2 · mit Fach
TN 312 4803812
2×2 · ohne Fach
Wahlweise / Farbcode
5TN 312 48038123822
3×2 · wahlweise
5TN 312 48038127K21
3×2 · Farbcode
5TN 312 48038123822
5×3 · wahlweise
5TN 312 48038127K21
5×3 · Farbcode
Überlänge + wahlweise / Farbcode
5TN 312 480 507 138123822
4×2 · wahlweise
5TN 312 480507 138127K21
4×2 · Farbcode
5TN 312 480 507 138123822
6×4 · wahlweise
5TN 312 480 507 138127K21
6×4 · Farbcode
Überlänge
5TN 312 480 507 13812
5×2
5TN 312 480 507 13812
6×3
Pro
  • Überlauf um +1 Rastereinheit statt Verdopplung der ganzen Kachel
  • Feinere Abstufung, weniger verschenkter Platz
Contra
  • Technisch aufwändig
  • Layout-Algorithmus für alle Kacheln komplett überarbeiten
Lösung & Ergebnis

Ein Regelwerk statt einer Einzellösung.

Exploration final: vier Regeln

Jedes Merkmal bekommt genau ein Gestaltungsmittel – so bleiben alle Typen auch kombiniert unterscheidbar.

Umrandung = FarbcodeStark gerundeter Rahmen, leichter Schnitt
Trennlinie = wahlweiseBeide Nummern nebeneinander, Präfix gemeinsam
Überlänge obenPräfix umbricht im oberen Bereich
… oder abgekürztBuchstabenindikator statt vollem Präfix

Größenmatrix: jeder Typ, jede Kachelgröße.

Für jede Kombination aus Kachelgröße und Sachnummern-Typ ist festgelegt, wie sie aussieht. Was in einer Größe nicht mehr lesbar wäre, bekommt keine Sondervariante, sondern wird auf die nächste Kachelgröße skaliert. Von ursprünglich vier Größen blieben drei.

Normal
Wahlweise
Farbcode
Überlänge
Kombi
S2×2
→ Größe M
nur ohne Fach
nur ohne Fach
→ Größe M
M4×2
L6×4

Anonymisierter Nachbau der Spezifikation. Rastereinheiten Breite × Höhe. Nummern, Fach und Fachfarbe fiktiv; Schrift ersetzt.

Finale Designentscheidung

Schriftgrößen anpassen statt Raster umbauen.

Die Inhalte werden über weiter angepasste Schriftgrößen in die bestehenden Kacheln eingepasst. Der bewusste Trade-off: Textgröße – und damit teilweise Lesbarkeit – weicht zugunsten des Systems. Die Alternative wäre ein aufwendiges Refactoring des Grids gewesen und damit der gesamten Logik des Layout-Algorithmus.

GewonnenKein Eingriff in Raster und Algorithmus · konsistentes Design · wenige Varianten
BezahltKleinere Schrift in dichten Kombinationen · teils eingeschränkte Lesbarkeit aus der Distanz

Wie die Entscheidung umgesetzt wurde

Leitprinzip: so wenige Varianten wie möglich, ein durchgängig konsistentes Design.

Entscheidung 1

Schriftgrößen je Kachel und Kombination

Die letzten vier Ziffern bleiben der große Prüfblock, der Rest der Nummer steht klein darüber. Schriftgrößen wurden je Größe und Kombination weiter reduziert, die Restnummer bei Bedarf zweizeilig gesetzt. Auf der kleinsten Kachel mit Fach schrumpft das Präfix auf einen hochgestellten Buchstaben.

Entscheidung 2

Kürzen, was nicht geprüft wird

Teile der Sachnummer, die für die Prüfung am Band nicht relevant sind, entfallen – der Werker sieht und erfasst die entscheidende Stelle auf einen Blick. Gleiche Präfixe, etwa beim wahlweisen Verbau, erscheinen nur einmal.

Entscheidung 3

Nicht darstellbar heißt: nächste Größe

Kombinationen, die in einer Kachelgröße nicht lesbar wären, werden nicht in eigene Sonderlayouts gezwängt, sondern auf die nächste Größe skaliert. Von vier Kachelgrößen blieben drei: Die größte wurde wieder gestrichen – neben den übrigen Inhalten des Monitors war für sie praktisch nie Platz.

Entscheidung 4

Kein neues Raster – vorerst

Ein feineres Raster hätte die beste Darstellung ermöglicht, aber eine komplette Überarbeitung des Layout-Algorithmus für alle Kacheln erfordert. Dieser Aufwand stand im Projektrahmen nicht zur Verfügung. Die Grid-Frage ist dokumentiert; ein Briefing bzw. Workshop zum Algorithmus ist für den weiteren Projektverlauf vorgesehen.

Fazit

Nicht die theoretisch perfekte Lösung, sondern die beste im gegebenen Rahmen: Lieber kleinere Schrift als ein Umbau von Grid und Algorithmus. So blieb die Sachnummern-Kachel über fünf Ausbaustufen in einer konsistenten Formsprache – mit einem Gestaltungsmittel pro Merkmal, wenigen Varianten und ohne Eingriff in das bestehende Raster. Der Preis, teils eingeschränkte Lesbarkeit in dichten Kombinationen, ist bewusst in Kauf genommen. Die Grundsatzfrage nach dem Raster wurde nicht umgangen, sondern dokumentiert und für eine spätere Überarbeitung vorbereitet.