UX Design & Research · NDA · Enterprise MES · 1 Designer - 3 Devs - 1 PO · 2 Jahre
Ein Assistenzsystem für die Automobil-Endmontage: ein hoch montierter Produktionsmonitor, ein Handgerät (PDA) für Prüf- und Sonderschritte, ein Konfigurationsdialog für die Parametrierung und ein Dashboard zur Kontrolle. Diese Case Study zeigt den Produktionsmonitor als Kern — und die drei angrenzenden Bausteine im Überblick.
Montagemitarbeiter brauchen die richtige Bauinformation auf einen Blick, während sie im Takt arbeiten — in einer lauten Halle, oft mit Handschuhen, vor einem hoch montierten Monitor. Doch der Monitor ist nur ein Teil: Prüf- und Sonderschritte laufen über ein Handgerät (PDA), die Inhalte je Station werden vorab in einem Konfigurationsdialog parametriert, und ein Dashboard gibt den Parametrierenden Überblick und Kontrolle. Diese Case Study behandelt den Produktionsmonitor im Detail und die drei weiteren Bausteine kompakt.
Der Monitor hängt hoch, damit alle ihn sehen — erreichbar ist damit nur die untere Hälfte, gerade für kleinere Mitarbeiter. Gelesen wird aus 1–3 m, oft mit Handschuhen, im lauten Hallenbetrieb.
Und: Es darf nichts weggescrollt oder umgeblättert werden — nicht aus Platzgründen, sondern weil die Werke es ausdrücklich so wollen. Wer im Takt am Band steht, soll seine Arbeit nicht unterbrechen, um am Monitor zu navigieren. Alles Wichtige muss auf einen Blick da sein.
„Die Standardschritte mache ich im Schlaf. Ich muss nur sofort sehen, wenn mal etwas anders ist."— Proto-Persona „erfahrener Werker" · illustrativ
Ein erfahrener Mitarbeiter kennt seine Handgriffe auswendig und erledigt sie fast blind. Für ihn muss der Monitor nicht die Routine zeigen, sondern die Ausnahme — Abweichung, Spezialfall, Sonderausstattung — sofort und eindeutig erkennbar. Zugleich muss derselbe Monitor neue Mitarbeiter und Werkstudenten Schritt für Schritt sicher durch den Ablauf führen. Die Routine tritt zurück, die Ausnahme springt hervor.
„Ich bin noch unsicher — ich brauche jeden Schritt klar und in der richtigen Reihenfolge."— Proto-Persona „neuer Mitarbeiter / Werkstudent" · illustrativ
Führen, wo es zählt — Freiheit, wo es geht: Standard ist informieren und orientieren. Verbindlich führt das System nur bei Takt, Qualität oder Sicherheit — etwa einem offenen Prüfschritt oder einem drohenden Bandstopp. In freier Arbeit bleibt die Entscheidung beim Mitarbeiter.
Contextual Inquiry an der Linie: Montagehöhe, Greifraum, Handschuheinsatz, Lärm, Betrachtungsabstand und die Spannbreite an Alter, Körpergröße und Erfahrung der Belegschaft.
Das Umfeld in harte Design-Randbedingungen übersetzen: bedienbarer Bereich, kein Scrollen, Lesbarkeit auf Distanz, keine erzwungenen Aktionen.
Eine Material-basierte Komponentenbibliothek für Distanz und Handschuhe umskalieren, statt bei null zu beginnen; das Layout für den bedienbaren Bereich und die Handgerät-Patterns definieren.
Eigenständige, testbare Single-File-Prototypen für beide Oberflächen; Struktur und Interaktionslogik validieren.
Prüfung gegen Lesbarkeit auf Distanz, Treffgenauigkeit mit Handschuh, Overflow-ohne-neuen-Platz und den Grundsatz „führen, wo es zählt".
Das angepasste Komponentenset, das Layout „bedienbarer Bereich" und das Handgerät-Interaktionspattern für die Entwicklung dokumentieren.
Das Display sitzt über Kopfhöhe; der obere Teil ist sichtbar, aber nicht zuverlässig erreichbar.
Behandschuhte Finger verfehlen kleine Ziele; Wischen ist unzuverlässig; Ton geht in der Halle verloren.
Im Takt ist keine Zeit, alles was gebraucht wird, muss direkt sichtbar sein - auf einer Seite (Werksanforderung).
Eine suggerierte automatische Konsequenz erzeugt an einer sicherheitsrelevanten Linie unsichere Verpflichtungen.
Die wichtigsten Aktionen bleiben dauerhaft im unteren, zuverlässig erreichbaren Bereich verankert. Da im Produktionsumfeld primär die untere Displayhälfte sicher erreichbar ist, wird die Interaktion darauf ausgerichtet.
Wischgesten erwiesen sich insbesondere bei der Bedienung mit Arbeitshandschuhen als unzuverlässig. Sie wurden durch klar erkennbare, großflächige Tap-Ziele ersetzt.
Bestehende Library-Komponenten wurden gezielt skaliert und an die Anforderungen der Produktionshalle angepasst – insbesondere hinsichtlich Touch-Flächen, Lesbarkeit und Bedienbarkeit unter erschwerten Bedingungen.
Die visuell aufwendige Kacheldarstellung wurde zugunsten einer minimalistischen, textbasierten Darstellung verworfen. Auf dem kleinen Display steht die schnelle Erfassbarkeit relevanter Informationen im Vordergrund.
Bewusst verzichtet wurde auf dekorative oder unnötig komplexe UI-Elemente. Statt moderner Gestaltung um ihrer selbst willen gilt das Prinzip: so einfach wie möglich, so viel wie nötig – mit Fokus auf eine Lösung, die unter den gegebenen technischen und operativen Bedingungen tatsächlich feasible und viable ist.
Jeder Deep Dive nimmt eine reale Design-Challenge auseinander — konkret, mit den Kompromissen, die sie erforderte.
Wiederholt Erweiterungen in eine bereits ausgelieferte UI integrieren — bestes Ergebnis, geringster Änderungsaufwand.
Konzept und Design für konfigurierbare Workflows als erweiterbares Widget.
Eine neue Kachel auf einem bereits vollen Bildschirm — und eine Restrukturierung der Arbeitsplatzkonfiguration.
Ein gemeinsames Design für zwei Geräte, deren technisches Zusammenspiel zu Beginn unklar war.
Nicht alles passiert am Monitor. Sicherheitsrelevantes Stempeln, Produktdaten-Erfassung per Scan und der Notbetrieb bei Geräteausfall laufen über ein Handgerät (PDA) — einhändig bedienbar, mit kurzen Schritten und eindeutigem Erfolg-/Fehler-Feedback.
Screens unter NDA · Beschreibung [proto] auf Basis der Projektdokumentation.
Was der Monitor je Station zeigt, wird vorab festgelegt: In einem Desktop-Konfigurationsdialog parametriert eine dafür vorgesehene Rolle beim Kunden (Parametrierer) Arbeitsplätze, Arbeitsvorgänge, Layouts und Prüfungen — entlang einer tiefen Hierarchie (Werk → Halle → Band → Station → Arbeitsplatz). Ein business-kritischer Enabler, der über die Linie entscheidet.
Zum Abschluss ein kurzer Blick auf das Dashboard für die Parametrierenden: „Was habe ich parametriert? Wo gibt es Auffälligkeiten? Was ist offen?" Bei großen Mengen (viele Hallen, Dutzende Bänder) macht es die Verhältnisse sichtbar — bewusst neutral, ohne Gut/Schlecht-Urteil.
Data-Viz-Konzept · als eigenständiger Enterprise-Case herauslösbar.
Pilotphase abgeschlossen, Hauptarbeit fertig (~80/20), Rollout-Anpassungen laufen weiter. Keine quantitativen Adoptions-/Fehlerkennzahlen behauptet — [nicht verifiziert] bis Felddaten vorliegen.
Der Kern war nicht, mehr Information zu zeigen, sondern die richtige: Für den erfahrenen Werker tritt die Routine zurück und die Ausnahme springt hervor; den neuen Mitarbeiter führt derselbe Bildschirm sicher durch den Ablauf. Und rund um den Monitor entscheidet die unsichtbare Arbeit — Parametrierung, Prüfungen, Kontrolle — ob an der Linie überhaupt das Richtige ankommt.